Nenne mich Romano . Hör zu was ich dir zu erzählen habe
Die Matrosen sind keine Männer, die ihr Geld im Sparstrumpf oder auf einer Bank horten.
Sobald sie ihre Heuer in die Hände bekommen, geben sie sie zur Befriedigung ihrer dringendsten existenziellen
Bedürfnissen und zum Vergnügen in Sex-Shop und Kneipen aus. Und dann gibt es Tage ohne Gesicht, man hat
wenig oder gar kein Geld in der Tasche
Die Matrose als Freiwillige sind an Bord,weil sie sich Abenteuer erhofften, weil sie ihr Leben an Land
langweilig oder unerträglich empfanden oder weil sie sich einer Strafverfolgung entziehen wollten.
Es mussten schon sehr zwingende Gründe sein, die Menschen dazu bewogen, sich den Lebensbedingungen auf
See freiwillig auszusetzen.
Es ist nämlich gesund sich in der frischen, reinen Seeluft auf dem Deck kräftig zu bewegen und Firma ihm für
ihre Mühen auch noch etwas zahlt.Die Menschheit teilt man in : die die leben, in die, die gestorben sind, und in
die, die schwimmen.
Jeder Mensch, in etwelchen Stadien seines Lebens, hat den gleichen Durst nach See verspürt.
Die Menschen gehen aufs Ozean und erleben die tiefsten Enttäuschungen. Dieser Mensch kehrt nicht mehr aufs
Land zurück, denn er kann sich nicht mehr vorstellen, das Leben dort zu organisieren. Und obwohl er auf dem
Schiff nicht glücklich ist, er bliebt dort, denn es gibt keine andere Welt mehr für ihn.
Niemand kann auf dem Ozean seinen Charakter und seine Menschlichkeit verbergen.
Auf dem Schiff gibt es nichts, aber jeder hat alles. Wir sind eigentlich gerne hier, denn es gibt auf dem Schiff
keine Unterschiede zwischen Arm und Reich, und auch Geld hat hier keine Bedeutung.
Eines Abends, als ich vor dem Schlafengehen noch einmal auf die Brücke ging, sah ich den Steuermann mit
einer Zeichnung beschäftigt. Er arbeitete an einem Postkarte für den Kapitän. In der oberen Bildecke kann man
das Gesicht des Kapitäns entdecken.
Der Steuermann hat es mit Nitrolösung von einem Foto abgerieben, das zum Anlass der 60-ge Jahr Geburtstag
der Kapitän war. Zeichen, Malen, Basteln, Knüpfen, Schnitzen, Schreiben - all diese Fertigkeiten haben unter
Seeleuten eine lange Geschichte.
Die Männer fordern von Natur aus verschiedene Abenteuer heraus, sie wollen immer etwas erleben.
Sie haben Ehrgeiz, was man von Frauen nicht sagen kann, sie sind immer ein Problem und ein Widerspruch.
Deshalb muss ein Mann, der etwas wahrhaftiges tun will, Frauen beiseite lassen.
Z ö l i b a t : ist so eine wichtige Sache, die eine besondere Umsicht benötigt Man sollte sämtliche Kräfte
bündeln, um das alte heilige und von der Vorsehung bestimmte Zölibat recht zu erhalten, damit man sich der
Ursachen und das Rechtes bewusst wird. Es ist eine zusätzliche Segnung, die eine besondere Hingabe ausdriickt
und eine Unteilbarkeit erleichtert, den Eifer anfeuert, auf besondere Art, eine größere Freiheit gibt und erlaubt.
Der enormer technische Fortschritt fuhrt dazu, dass so etwas, das man als Berufsromantik nennen könnte,
langsam verschwindet. In Zeiten, da man noch keine Ortungsgeräte kannte, keine Elektronenhirne und tausende
andere Errungenschaften der Technik, als auf den Meeren die Dampfmaschine regierte, und auf den Seewegen
der Kompass, der Sextant und das Log und das Storchennest geführt haben, hat der Mensch seine
schwimmenden Objekte ganz anders betrachtet
Sein Leben hing von den spezifischen Eigenschaften des Schiffes ab, auf dem er die Seerouten über langen
Jahre verbracht hat, auf denen sein Schiff seine ganze Welt war, er glaubte an das „Pech“ oder das „Glück“
seines schwimmenden Hauses, er wuchs mit ihm für gute und schlechte Zeiten zusammen.
Die traditionelle, fanatische Bindung der Matrosen an ihre Schiffe ist durch den Tod der Menschen, die
freiwillig auf den untergehenden Schiffen geblieben sind, damit sie sich nicht zu trennen brauchten, belegt.
Heute, wo man Schiffe immer mehr als technische Nutzungskonstruktionen betrachtet, wo die „Denkenden -
Maschinen“, die die Seefahrten auf den Meeren und Ozeanen erleichtern und sichern, eine immer größere Rolle
spielen, wo ständig die Besatzung und die Führung sich ändert, verliert sich die emotionelle Bindung zum
Schiff Der Beruf eines Matrosen ist von der Natur aus schwierig.
Der Beruf eines Matrosen benötigt spezifische Charaktereigenschaften, physische Fähigkeiten und große
psychische Widerstandskraft. Er ist ganz anders als die übrigen Berufe, seine Eigenart vertieft durch die Arbeit
in der Abwesenheit von Zuhause.
Die ehrliche gute Arbeit eines Matrosen eines jeden Tages und einer jeden Nacht auf See :
Wir schrubben jeden Tag irgendetwas, wir streichen etwas, wir tauschen etwas aus, wir drücken was
zusammen, wir legen was auf, wir wickeln etwas zusammen und wir machen noch irgendetwas.
Rost klopfen, Rost stehen, Rost bürsten ! Ölen, mennigen, malen, teeren.
Alles rostet doch und modert von der Feuchtigkeit, alles wird vom Meeressalz zerfressen, alles wird von der
Sonne verbrannt und vom Wind verweht. Die Arbeit wird also in gleichen Abfolgen gemacht.
Wir haben das gemacht, also machen wir jetzt dieses. So ist es heute, so wird es morgen sein, so wird es
übermorgen sein, so wird es immer sein. Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit.
Auf dem Schiff ist immer etwas zu tun. Immer!
Ist es erledigt, dann fangen wir vom Anfang an, von diesem bis zum nächsten.
Es kommt der Abend, ein arbeitsamer Tag neigt sich dem Ende zu. Zum Gl ück .
Morgen werden wir wieder auf dem Deck mit Pinseln, Scheuerbürsten, mit Besen, mit Hämmern, warten, es
beginnt ein neuer, normaler Tag auf der See. So ist das Matrosen leben, das uns in Seiler, in Maler, in Tischler,
in Schlosser und auch in Spechte verändert.