Rostock

Hochseefischerei - Anlegestelle Dezember 1969 Der Süd-Kai

An diesem Kai steht ein Schiff, das bereit ist, ins Meer zu stehen.

Am Kai haben sich die Verabschiedenden versammelt. Die Familien der Teilnehmer der Seefahrt, die Vertreter der Armee (in Zivil gekleidet), eingeweiht, anonym, Enthusiasten der Expedition und zufällige Zuschauer, die nicht wissen, worum es hier geht. Die einheimischen Fischer fragen sich, warum ausgerechnet dieses Fischerschiff so feierlich verabschiedet wird.

Es war ganz kurz vor der Abfahrt. Heute, einen Tag vor Heiligabend beginnen wir unsere Seefahrt, damit wir die Welt mit einer großen Tat überraschen können, die unmittelbar mit einem Krieg verbunden ist :

Ost gegen West. Es ist der kalte Weltkrieg der Spionagemächte der Kommunisten gegen die Kapitalisten. Man darf in diesem Kampf nicht verlieren, weder aus Angst noch aus Faulheit.

Morgen, wenn die katholischen Familien sich abends zum gemeinsamen Abendessen zusammensetzen werden, werden wir schon weit auf dem Meer sein. Dass der Herr uns hilft, die Pflicht zu erfühlen, und uns durch Gefahren auf dem Meer und Ozeanen und am Lande fuhrt. Das wir alle Werke des Schöpfers, unseres einzigen Herren, sehen und alle seine Wunder.

Das wichtigste und sicherste Mittel, damit etwas passiert, ist der beginn. Es geht darum, dass man am schnellsten sich vom Land entfernt, schnell die Atmosphäre der Abreise durchtrennt, des unsinnigen Abschieds. Abfahren das heißt sterben.

Wenn man am Land bleibt, dann schwimmt das Schiff davon. Wenn man auf dem Schiff ist, dass stirbt das Land.

Auch wenn es einem besten bewusst ist, dass das nur eine Trennung ist. Eine Trennung auf Zeit, dass wieder die Zeit der Begrüßung und der Umarmungen kommen wird Aber bleiben wir bis dahin die Gleichen ?

Mir ist das egal. Ich habe kein Land und auch keine Familie. Ich bin überall fremd und ich bin vollkommen frei und ruhig.

Für mich gab es überall etwas zu sehen. Die andere rauchen nervös Zigaretten, fuhren chaotische und angespannte Gespräche, weder andere schweigen vollkommen, so wie ich.

Eine Ansage aus den Lautsprechern des Schiffes: Wir bitten alle Außenstehenden das Deck zu verlassen.

Die Abfertigung des Schiffes ist abgeschlossen. Männer kommen an Bord - waren still und traurig. Über das Fallreep gehen Ehefrauen, Mutter und Kinder herunter, letzte Verabschiedungen, die nervlich und psychisch sehr belasten. Noch ein Kuss, noch eine Umarmung, das Mädchen überreicht dem Vater die Blumen.

Immer mehr Frauen holen Handtücher heraus.

Zum Glück geht mich das nichts an. In solchen Momenten gibt es keine Starken. Ich schaute den letzten Vorbereitungen, es gab überall viel zu tun. Der Wachoffizier, der Lotse und der Kapitän auf dem Hochdeck.

Offiziere gaben Befehle. Das Fallreep geht nach oben. Die Schiffsleinen wurden von den Pollern abgeworfen. Die Matrose rollten Taue auf und rannten hin und her. Das Schiff setzte sich in Bewegung und sticht vom Ufer ab. Die Schlepper helfen. Der Wind vom Meer bringt die Kalte. Niemand verlässt den Kai Ein großes Durcheinander entstand. Die Menschen am Kai riefen ihren Freunden noch etwas zu und die auf dem Schiff riefen zurück. Die Menschen verabschieden uns mit Winken. Ein Blasorchester spielte Abschieds marsch. Abschied war feierlich und herzlich.

Der riesige Schiff entfernte sich langsam vom Kai, immer noch wurden Zurufe gewechselt.

Männer kamen an Deck waren still und sehr traurig, und da weinten welche und wischten sich die Augen mit dem Toilettenpapier. Die Möwen kreischen. Schiffssirenen heulen im auflandigen Wind.

Der Moment der übergaben der Schiffsleine und der endgültigen Trennung vom Land am Anfang einer Seereise hat etwas Feierliches und Unumkehrbares an sich.

Zwei Schlepper haben das Schiff mit dem Bug in Richtung Ostsee gerichtet.

Der Molenkopf treibt vorbei und weicht zurück. Wir werden geschleppt, langsam nach vorn, gegen den Wind.

Da, ein kleines Schleppboot dort drüben mit knallroter Rumpf.

Ein Motorboot löste sich von ihm, kam truckend auf uns zu.

Der Lotse schüttelte Kapitän und Offizieren die Hand und steckte die letzten Briefe zu sich.  Blickte hinaus auf das weite unendliche Meer, das erst weit draußen von fernen unsichtbaren Küsten begrenzt wird. Schaute landwärts, zum Himmel empor, nach rechts, nach links, überall und nirgends hin.

Auf  Wiedersehen, lebt alle wohl, Jungen. Der Sekretär unsere Volkspartei grüße euch, Leute, und halte euch in seiner Obhut.  Hoffentlich kommt bald gutes Wetter.

Dann schwenkte die Hand : Adjüs ! und gute Reise. Nun kletterte er über die Bord hinab ins Boot.

Schlepper los ! Klatschend fiel die Tau ins Wasser und wurde eingeholt.

Die Schleppleinen wurden abgeworfen und das Schiff hat sich von den Schleppern mit zwei Signalen verabschiedet. Der Schlepper drehte ab

Schiff und Schlepper trennen sich. Eisig fegte der feuchte Wind über Deck. Kreischend flog eine Möwe auf. Beide Fahrzeuge stampften mit aller Kraft. Nur schweren Herzens brachten wir unsere drei Hurras heraus, und blind fuhren wir unserem Schicksal entgegen, weit hinaus in das einsame Meer.

Die Schlapper gingen noch einige Minuten in unserer Spur, dann hat einer von ihnen dreimal kurz gehupt, dann hat er gewandt und ist in Richtung Hafen gefahren. Dreimal heulte unsere Schiffspfeife zum Abschied.

Der zweite Schlepper ist hinter ersten hergefahren und bald sind sie zu zwei kleinen Pünktchen geworden die immer wieder in den Tiefen der Wellen verschwinden.

Der große Leuchtturm befindet sich schon hinter dem Heck unseres Schiffes. Volle Kraft voraus. Der Bug prallt in die erste Sturmwelle. Die Seefahrt hat begonnen.

Die Schiff nahm mit eigener kraft Kurs auf Stadt Kiel. Schon war alles vorbei und achteraus. Allein steuerte die „Fischfanges“ hinaus in die Ostsee.