Haben Sie keine Zeit, dieses Buch zu lesen?

Wie viel zeit vergeht ungenutzt, während Sie Fern sehen, endlose Gespräche mit dem Nachbarn führen - oder am Stammtisch...

Meditativ zu lesen - also beschaulich nachdenkend - entspricht zugleich der allgemeinen Vorstellung davon, ein Buch zu lesen, wie es doch auch die ungebräuchlichste Art ist.

Viele Deutsche kommen mit dem meditativen Leben nicht zurecht. Sie sollten sich so in die beschriebene Situation hineindenken, als wären Sie selbst dabei. Stellen Sie sich einfach einmal den Zusammenhang mit Ihrem eigenen Leben her.

Wichtig zu wissen ist: man kann die Intention des Autors von der seines eigenen Werkes unterscheiden. Sie werden staunen, auf wie viele Antworten Sie beim Lesen des Atlantik-Reisebuchs stoßen, wenn Sie es aufmerksam noch bestimmten Stichpunkten durchforschen.

Welche Bedeutung hat dieser Text?

Es ist erstaunlich, wie ohne Erläuterungen und ohne viel persönliches Gespräch die Aussage dieser Niederschrift zu leben beginnt. machen Sie sich auf Ihre eigene Entdeckungsreise, die voller Überraschungen sein wird!

Sie können aus dem Buch einzelne Sätze herausnehmen, die als allein stehende Aussagen einen ganz neuen Sinn ergeben - also etwas anderes ausdrücken, als das, was der Autor eigentlich sagen wollte.

Die gleiche Aussage hat, je nach Situation und Zusammenhang, eine andere Bedeutung.

Wann ist etwas Arznei, ab wann ist es Gift?

Man muss die geschriebenen Äußerungen anderer gut überprüfen.
Wichtig ist nicht die Person, sondern die Überzeugung, welche dahinter steht.
Selbst wenn eine Person sich öffentlich einen Namen gemacht hat, sollte man nicht
alles was sie geschrieben hat hinnehmen, nur weil sie berühmt ist.

Auf der Königsstraße in Duisburg, neben der Touristinformation in der Fußgängerzone sollte ich ihn treffen. Der bekannte und sehr geschätzte Schriftsteller wollte mich kennen lernen und als Sachverständiger den Wert meiner Bücher beurteilen. Es kam ein elegant gekleideter, sehr intelligenter Mann um die 40. Das war an einem 21. Dezember, abends.

Die Straße war voller Menschen und eng nebeneinander stehender Weihnachtsbuden. Wir gingen die Straße entlang, mitten zwischen den Ständen, durch eine Flut von Passanten.

Dieser Schriftsteller und Gutachter erzählte mir von seinem Studium in England, wie und was er in Deutschland gelernt hatte und davon, wie es an der Universität in den USA gewesen sei. Das Schreiben in deutsch, englisch oder amerikanisch war seine feste berufliche Tätigkeit. Er kannte zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, vielleicht sogar sehr viele.

Die uns umschließende, bunte Menschenmenge, die bunte Beleuchtung und die Vielfalt der Stände hat ihn überhaupt nicht interessiert.

Ich konnte seinen Redefluss endlich stoppen und zeigte ihm, wie eine alte Frau an ihrem Stand einen großen Korb aufstellte. Er schaute mich sehr verwundert an. Da sprang aus dem großen Korb auf dem golden beleuchteten Weg ein kleines, überzuckertes Schaukelpferd!

Umstehende Kinder hatten ihren Spaß. Der hoch gebildete, sachverständige Schriftsteller schlug sich zweimal kräftig vor die Stirn, drehte sich um - und war verschwunden.

Ich habe ihn nie wieder getroffen und habe nicht vor, ihn überhaupt zu suchen. Die Verlagssuche für meine Bücher musste verschoben werden, auf andere, bessere Zeiten. Seine drei Bücher, die er mir geschenkt hatte, habe ich in den dort stehenden Mülleimer geworfen. Er sah alles nur schwarz-weiß!

Um Bücher zu schreiben, braucht man Wissen und Verstand, aber mit dem Universitätswissen allein schreibt man kein Kunstwerk. Um ein Kunstwerk zu verfassen - oder aber auch wertvolle Bücher - braucht man eine Seele, einen bunten Phantasieregenbogen... und die Fähigkeit, Sachen zu sehen, die wie hinter dem Horizont verborgen sind.

Was kann mir ein Schriftsteller sagen, der keine Augen dafür hat, wie ein kleines überzuckertes Schaukelpferd Kindern Freude bereitet und den geheimnisvollen Korb nicht sieht, den eine alte Frau an ihrem Stand aufgestellt hat?

Und dabei sehen das doch alle - dafür braucht man keinen Schriftstellter.

Der Schriftsteller ist dafür da wahrzunehmen, was die anderen nicht sehen; ihre eigenen Visionen zu zeigen. Die meinen zu bewerten, steht ihm nicht zu.

Er hat mit der Geschwindigkeit einer Rakete alles gelesen, was ich geschrieben habe, aber er hat nichts davon verstanden. Ich weiß nicht, wie man einem Blinden die Schönheit eines gezuckerten Pferdchens auf einem goldenen Weg erklären oder die Farben eines riesigen Regenbogens beschreiben soll. Er hat so etwas nicht gelernt zu verstehen, weder an der englischen, noch an der amerikanischen Universität.

Viele Menschen suchen nach einer Möglichkeit, die unübersichtlich gewordene Welt mit neuen sprachlichen Mitteln zu erkunden. Computer verändern Schreibensabläufe komplett.

Lebenslanges Lernen ist eine Forderung, die es nicht erst seit gestern gibt, aber sie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Fremdsprachenkenntnisse sind - durch das vereinte Europa - auch für Schriftsteller voraussetzung.

Misserfolge nutze ich, um es beim nächsten Buch besser zu tun.

Ein Schriftsteller muss ein Irrer sein, so sehr verrückt, dass sein Horizont nicht zu berechnen ist. Die Kraft, die aus der Seele eines Schriftstellers fließt, lässt sich nicht durch ein Universitätsdiplom ersetzen.

Täglich werden wir mit einer Unmenge von Informationen überschüttet. Internet, Fernsehen, Radio, die Zeitung usw. liefern sie uns frei Haus. Doch die meisten sind relativ wertlos für uns.

Ich kenne Menschen, die unendlich viel lesen - und zwar Buch für Buch, Buchstaben um Buchstaben - und die ich doch nicht als belesen bezeichnen möchte.

Sie besitzen freilich eine Unmenge von so genanntem Wissen. Allein ihr Gehirn versteht nicht, eine Einteilung und Registratur dieses in sich aufgenommenen Materials durchzuführen.

Es fehlt ihnen einfach die Kunst, im Buche das für die Wertvolle vom Wertlosen zu trennen. Auch der Sinn des Lesens beruht ja nicht in sich selbst, sondern ist mittel zum Zweck.